Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit

Das Thema „Nachhaltigkeit“ spielt in den Schülergenossenschaften eine wichtige Rolle. Nachhaltiges Handeln spielt sich stets auf drei verschiedenen Ebenen ab: ökonomisch, ökologisch und sozial. 

Ökonomisch nachhaltig wirtschaften bedeutet, dass...

  • die Schülergenossenschaft bereits im Vorfeld einen Geschäftsplan ausarbeiten muss, der (ebenso wie die Satzung) durch den Genossenschaftsverband geprüft wird. Erst nach einer positiven Beurteilung der Unterlagen wird die Schülergenossenschaft zur Gründung zugelassen.
  • das professionelle und verantwortungsvolle wirtschaftliche Handeln der Schülergenossenschaft jährlich geprüft wird und die Schülergenossenschaft Zielvereinbarungen und (Finanz-)Planungen für das kommende Geschäftsjahr formuliert.
  • noch vor Gründung überlegt werden sollte, wie sichergestellt werden kann, dass es immer eine ausreichende Anzahl an Nachwuchskräften geben wird und wie z.B. der Übergang von einer Mitarbeitergeneration zur nächsten organisiert werden kann.
  • die Schülergenossenschaft für mindestens drei Jahre und damit mehr als die Dauer eines Schuljahres angelegt ist, sodass es die Chance gibt Prozesse langfristig entwickeln zu lassen und diese nicht, trotz Funktionalität, unter Umständen frühzeitig wieder beendet werden müssen.

Nachhaltigkeit bedeutet jedoch auch, dass das Handeln des Unternehmens ökologisch und sozial verträglich ist. Dies zeigt sich bei Schülergenossenschaften, indem sie..

  • bei ihrer Produktauswahl darauf achten, dass die Materialien fair gehandelt sind und die Rohstoffe unter menschlich fairen Arbeitsbedingungen hergestellt worden sind (z.B. Schokolade, Kaffee, Baumwolltaschen, ...).
  • im eigenen Arbeitsbetrieb darauf achten, dass es nicht zu unnötigen Produktverschwendungen kommt, indem z.B. der Einkauf von Lebensmitteln realistisch geplant wird;
  • einen bewussen Umgang mit Verpackungsmaterialien betreiben, sowie den Energieaufwand bei der Herstellung von Produkten im Blick haben;
  • Dienstleistungen anbieten, die ein ökologisches Bewusstsein fördern (z.B. Energieeffizienzberatungen);
  • regionale Dienstleister nutzen und ihre Produkte regional vermarkten.

Die Vermittlung ökonomischer, ökologischer und besonders der sozialen Kompetenzen beschreibt den Kernbereich der Umsetzung der Bildung für nachhaltige Entwicklung. Nachhaltige Schülergenossenschaften sind in diesem Kontext ein besonders wirksames Lernarrangement. Hier erfahren Jugendliche eine neue Form der Berufsorientierung und Berufsvorbereitung, die sie in die Lage versetzt, sich in den nächsten Jahren durch ihre umfassenden Kompetenzen für das Berufsleben optimal zu qualifizieren und durch ihre Mitarbeit in einer Genossenschaft auch eine zukunftsfähige Vorbereitung auf ihre Rolle in unserer sozialen und demokratischen Gesellschaft.

In Niedersachsen wurde das Projekt als offizielles Projekt der UN-Dekade für Nachhaltige Bildung ausgezeichnet. Die dort ansässige Initiative „Bildung für nachhaltige Entwicklung” unterstützt nachhaltige Schülerfirmen und schülergenossenschaften mit Lehrmaterial, Beratung und Fortbildungsangeboten z. B. in Form von Seminaren. Im Rahmen dieses Programms wurden spezielle Betreuungsprogramme vorgelegt, um in der Schule ökologisches, soziales und wirtschaftliches Handeln und Denken zu fördern.

 

Das Nachhaltigkeitsaudit


Ein Nachhaltigkeitsaudit dokumentiert die Veränderungen einer Schülergenossenschaft, und zwar im Hinblick auf soziale, ökologische und ökonomische Verbesserungen.  Anhand des Zertifikates kann das nachhaltige Handeln der Schülergenossenschaft auch nach außen hin sichtbar gemacht werrden. Es gibt drei verschiedene Zertifizierungsstufen: die Qualifizierungsstufe (bronze), die Kompetenzstufe (silber) und die Exzellenzstufe (gold).

Die einzelnen Kritierien berücksichtigen z.B. die Verwendung von ökologischen Materialien und/oder Produkten, das ordnungsgemäße Führen der Buchhaltung, das Vorhandensein einer langfristig angelegten Unternehmensorganisation, die Integration der Schülergenossenschaft in das Berufsorientierungsangebot der Schule, die Vernetzung mit anderen Schülergenossenschaften, sowie die Zusammenarbeit mit externen Kooperationspartnern. Voraussetzung für die Durchführung des Audits ist eine erfolgreiche Durchführung der Jahresprüfung. Zu Beginn wird eine Bestandaufnahme des Ist-Zustandes erstellt. Anschließend werden Verbesserungsmöglichkeiten in wirtschaftlicher, ökologischer und sozialer Hinsicht entwickelt, die dann schließlich in die Praxis umgesetzt werden.

Das Nachhaltigkeitsaudit NRW wurde im Schuljahr 2015/2016 gemeinsam mit Projektteilnehmern entwickelt und erstmalig erprobt. Teilnehmer der Pilotphase waren fünf ausgewählte Schülergenossenschaften, die nach Geschäftsfeldern, Schulformen, Regionen, sowie freiwilliger Zustimmung ausgewählt wurden.

In der Zertifizierungsstufe Silber wurden ausgezeichnet:

  • BioScha(r)f eSG (Gesamtschule Reichshof + Partnergenossenschaft Volksbank Oberberg eG)
  • Schere-Stein-Papier eSG (Freiherr-von-Stein-Gymnasium Bünde + Partnergenossenschaft Volksbank Bad Oeynhausen-Herford eG),
  • Schülerei eSG (Rivius Gymnasium Attendorn und Partnergenossenschaft VB Bigge-Lenne eG),

In der Zertifizierungsstufe Gold wurden ausgezeichnet:

Vorteile der Teilnahme am Zertifizierungsverfahren sahen die Teilnehmer der Pilotphase vor allem darin, anhand des Audits eine (positive) Rückmeldung zur geleisteten Arbeit zu erhalten, Entwicklungsschwerpunkte erkennen zu können, die eigene Identifizierung mit der Schülergenossenschaft zu fördern, sowie die Arbeit der Schülergenossenschaft weiter zu professionalisieren, indem bspw. die Zusammenarbeit mit anderen Schülergenossenschaften, sowie mit für das eigene Geschäftsfeld wichtigen externen Partnern angeregt wird. Weiterhin kann die Auszeichnung im Rahmen der eigenen Öffentlichkeitsarbeit genutzt werden. Auch für die Zusammenarbeit mit der Partnergenossenschaft in der eigenen Region liefert das Audit wertvolle Anregungen und Ansatzpunkte.

Ansprechpartner für weitere Informationen zum Audit und den Teilnahmemöglichkeiten ist Volker Beckmann.