Gemeinsam Großes für die Energiewende bewegen

 

Gemeinsam Großes für die Energiewende bewegen

30 Vertreter von Organisationen aus dem Bereich der Energiewende haben am 22. Juni überlegt, wie Kinder und Jugendliche in Schülergenossenschaften die Energiewende mitgestalten können.

Die Energiewende passiert manchmal ziemlich unspektakulär. In einem Sitzungssaal in Recklinghausen etwa. Hier im nordwestlichen Ruhrgebiet heißen die umliegenden Straßen auch einmal Bergmannssonne oder Siemensstraße. Sie verweisen auf die vergangene Bedeutung des Ruhrgebiets für Industrie und nationale Energieversorgung. Doch die Hochzeiten von Steinkohlebergbau und Stahlindustrie sind lange vorbei. Das wissen nicht nur die Menschen, die schon lange im Ruhrgebiet leben, sondern bereits Schüler im Alter von 12 Jahren.

Wie Niclas, Maja, Emeli und Jonas etwa, die mit ihrer  Schülergenossenschaft „Öko-E eSG“ (Gesamtschule Windeck, Raiffeisenbank Rosbach eG) nach Recklinghausen in die Räume der Natur- und Umweltschutzakademie des Landes NRW gereist waren. Sie und weitere Mitstreiter verkaufen mit ihrer Schülergenossenschaft an die Menschen in Windeck und Umgebung regionalen Apfelsaft und: erneuerbaren Strom. Tatsächlich haben die jungen Schülergenossen, die in die 6. Klasse gehen, aber noch viel weitergehende Pläne. Mit der Vermittlung und Organisation „ökologischer Ferien“ (www.ecoferien.de) bauen sie sich zurzeit ein drittes Geschäftsfeld auf: „Wir wollen damit erreichen, dass mehr Erwachsene über dieses Thema nachdenken. Und wir selbst lernen dabei, Rechnungen zu schreiben und prüfen dann auf unserem Konto, ob das Geld eingeht“, beschreiben die vier Schüler die Motivation für ihre Arbeit. Mittlerweile ist die Internetseite sogar zu ihrer Haupteinnahmequelle geworden.

Das alles klingt nach großer Verantwortung. Zu groß für Schülerinnen und Schüler? Holger Siems, der betreuende Lehrer der Schülergenossenschaft ist von der guten Arbeit seiner Schüler überzeugt. Mehrmals haben die sich vor der Veranstaltung getroffen, um sich professionel vorzubereiten.

Vom Verkauf ökologischen Stroms, der Organisation nachhaltiger Ferien bis zur Energieberatung von Haushalten: vieles ist für Schülergenossenschaften mit starken Partnergenossenschaften möglich.

Auch Rolf Schwermer, Vorstand der Solarenergiegenossenschaft Essen eG, sitzt in Recklinghausen mit am Tisch. Er kann sich noch ein weiteres Betätigungsfeld für Schülergenossenschaften vorstellen. Gerne würde er Schülerinnen und Schüler als „Energiespardetektive“ ausbilden und einsetzen, ähnlich wie es eine Schülergenossenschaft aus Hamm (ERC eSG) bereits erfolgreich umsetzt.

Bei Ihren Kunden könnte die Schülergenossenschaft dann anhand von Checklisten den Ist-Zustand des Energieverbauchs erheben und einen Bericht dazu schreiben – und hierfür eine vorher vereinbarte Gebühr erheben. Wer von der Energieberatung durch die Schüler profitieren könnte? „Ihr Schulgebäude, Haushalte von Lehrern, Eltern, Großeltern und Nachbarn, der Bäcker, die Autowerkstatt, der Kindergarten jüngerer Geschwister, Vereins-Heime,…“. An potentiellen Kunden, die von einer Beratung profitieren würden, würde es nicht mangeln, ist sich Schwermer sicher. Er skizziert, wie sich die Solargenossenschaft Essen anschließend mit Ihrer Kompetenz einbringen könnte: „Wenn von den Wohnungsinhabern gewünscht, würden wir anschließend als Solargenossenschaft Maßnahmen vorschlagen, wie man weniger Energie verbrauchen und dadurch Kosten sparen kann. Bei der Besprechung der Maßnahmen könnte die Schülergenossenschaft dabei sein, wenn die Wohnungsinhaber einverstanden sind“.

Für den Aufbau einer Schülergenossenschaft zum Thema Energieberatung wird im Raum Essen noch eine Partnerschule gesucht.

Aktuell sucht die Genossenschaft dafür im Essener Raum noch eine lokale Partnerschule und würde dafür sogar bei der Gründung einer neuen Schülergenossenschaft Geburtshilfe leisten. Dass das Engagement der Essener für Kinder und Jugendliche ist kein Zufall, beweist auch folgende Tatsache: fast alle Solar-Anlagen, die die Genossenschaft betreibt, stehen auf Gebäuden mit Bezug zu Kindern und Jugendlichen. „Wir wollen nicht nur Solarstrom-Anlagen bauen, sondern vor allem den jüngeren Generationen zeigen, wie fantastisch das ist, Strom von der Sonne zu „ernten“ - ohne die Atmosphäre mit Kohlendioxid zu belasten“, erläutert der Vorsitzende die Motivation seiner Genossenschaft.

„Wir sind ganz schön beeindruckt, wo Schülergenossenschaften gemeinsam mit ihrer Partnergenossenschaft Großes im Bereich der Energiewende bewegen können“, sagt Volker Beckmann, Landeskoordinator beim Projekt Schülergenossenschaften. Alle Netzwerkpartner hätten bereits für nächstes Jahr ein Folgetreffen verabredet. Energiewende mit und durch Schülergenossenschaften? Die Mission ist noch lange nicht abgeschlossen.

Fotos: Natur- und Umweltschutzakademie des Landes NRW

 

Weitere Informationen:

Öko-E beteiligt sich am Raiffeisen-Jahr 2018

Im „Raiffeisen-Jahr 2018“ möchte die Öko-E eSG Schülergenossenschaften in ihre Region einladen und zeigen, dass dort, wo der Genossenschaftsgründer einst lebte und arbeitete, nachhaltige Ferien möglich sind.  Außerdem sollen die Menschen mehr über die Genossenschaftsidee erfahren können. „Zusammen schafft man eben mehr als alleine“, das Genossenschaftsprinzip haben die jungen Schülergenossenschaftsmitglieder bereits völlig verinnerlicht. Mehr Informationen über die Öko-E.

Drucker für Schülergenossenschaften

Im Rahmen der Veranstaltung konnte Volker Beckmann, Landeskoordinator des Projekts in NRW, ausrangierte, aber funktionstüchtige Laserdrucker an die anwesenden Schülergenossenschaften überreichen. Zur Verfügung gestellt wurden diese vom Projektträger, dem Genossenschaftsverband - Verband der Regionen e.V. .